Unvorhergesehene Hindernisse – Oder: Wenn ein Lesender die Geduld verliert

Das Januar-Buch meines A year in books-Projekts ist ein „Wenn ein Reisender in einer Winternacht“ von Italo Calvino. Beim Lesen dieses Buches ergibt sich ein sehr konkretes – und absurderweise von mir nicht vorhergesehens – Problem: Das Buch gefällt mir nicht, bzw. es packt mich nicht. Um meine Schwierigkeiten zu verdeutlichen, muss ich kurz etwas über den Aufbau des Buches erklären (wie immer: Here be Spoilers!).

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Madame Xanadu: Disenchanted (Comic-Besprechung)

„Madame Xanadu: Disenchanted“ ist 2009 bei DC/Vertigo erschienen – geschrieben von Matt Wagner, die Zeichnungen sind von Amy Reeder (Hadley). Wie bei Vertigo üblich, haben wir es hier weniger mit einer Superhelden-Geschichte und eher mit einer mystisch-magischen Figur zu tun – Madame Xanadu ist hauptsächlich als Wahrsagerin tätig (Warnung: Die folgende Besprechung enthält leichte Spoiler).

Der Comic bedient sich dennoch eines klassischen Musters von Superhelden-Geschichten: Er erzählt die Origin-Story der Hauptfigur. Das ganze spielt in einer Zeitspanne von gut 1000 Jahren, hier ist also einiges zu erzählen. Wagner löst dieses Problem, indem er fünf einzelne Geschichten erzählt, die jeweils in einer Epoche spielen und auf historische oder fiktive Ereignisse Bezug nehmen: die Artus-Sage, Marco Polos Reise nach Xanadu (get it?), die französische Revolution, Jack the Ripper und das anbrechende Zeitalter der Superhelden in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts. Verbindende Figur neben Madame Xanadu ist der Phantom Stranger, der in jedem Kapitel eine tragende Rolle spielt.

Zu den positiven Aspekten: Als allererstes sind die Zeichnungen von Amy Reeder Hadley zu nennen (wobei die m.E. immer phantastisch sind). Sowohl was die Komposition als auch die Dynamik und – ich nenn das mal so – Vitalität der Bilder angeht, ist das, was sie da abliefert, außergewöhnlich. Vor allem die weiblichen Figuren sind eine echte Freude und heben sich wohltuend von den „Tits n Ass„-Stereotypen ab, die immer noch in zu vielen Superheldencomics zu finden sind.

Das Storytelling hat durchaus auch seinen Reiz und die Idee, den Charakter in verschiedene Ereignisse einzuweben, hat Charme: So war Madame Xanadu ursprünglich Nimue (Anmerkung: Scheinbar stammt das aus den Books of Magic. Das hab ich da aber noch nicht finden können. Falls mir da jemand aushelfen kann – gerne in den Kommentaren!) und der Comic verweist auf andere Figuren aus dem DC/Vertigo-Universum (u.a. Green Lantern, Zatara, Spectre).

Allerdings ist diese Form des Erzählens m.E. an anderer Stelle besser umgesetzt. Aber vor allem hatte ich nicht das Gefühl, es mit einer kohärenten Geschichte zu tun zu haben. Disenchanted fühlt sich eher an wie fünf – mal bessere (Artus, Marco Polo), mal schlechtere (Jack the Ripper) – Kurz-Geschichten, die nicht wirklich zusammenhängen. Das Ganze soll ja aber auf einen Punkt zusteueren (remember: Origin-Story!). Zudem fand ich insbesondere die Begründungen des Phantom Strangers, warum gerade hier etwas relevantes passiert, z.T. etwas gezwungen. Das könnte aber damit zusammenhängen, dass ich mich mit den Vertigo-Charaktären nicht gut genug auskenne und mir hier Sachen durchrutschen, die für andere Leser_innen durchaus von Interesse sind.

Uneingeschränkt empfehlen kann ich den Comic zwar nicht, aber man bekommt einige gute Geschichten und allein die Zeichnungen sind das Geld schon fast wert!

(keine Amazon-Links, das kriegt Ihr auch ohne mich hin. Oder Ihr geht zu Eurem lokalen Comic-Händler).

P.S. On the Road? – Don´t ask…

Späte Besprechungen: Pulp – A different class

Ich weiß, die Platte ist 15 Jahre alt und wahrscheinlich kennt sie auch jeder, aber trotzdem: Das ist ein echter, absoluter Klassiker. Falls Ihr sie im Schrank stehen habt, geht los und legt sie ein, das ist kurz vor Offenbarung. Ehrlich!

 

Aus der zeitlichen Distanz fallen mir beim Hören allerdings verschiedene Dinge auf. Erstens: Das ist so ein seltener Glücksfall von Platte, die im Laufe der Zeit schlichtweg immer besser wird. Zweitens: Heute sind es gar nicht unbedingt die Singles „Common People“ oder „Disco 2000“, die im Ohr hängen bleiben (obwohl beide großartig sind), sondern eher die Mid-Tempo Nummern wie „Pencil Skirt“, „I Spy“, „Live Bed Show“ oder „Something changed“.

 

Und gerade diese Stücke haben nicht wirklich viel mit dem zu tun, was in den 90ern unter Britpop gehandelt wurde. Natürlich ist das alles unglaublich englisch, aber es ist wesentlich weniger Beatles-lastig als z.B. das, was Oasis so über die Jahre zusammengeschustert haben. Die Atmosphäre, die die Songs verbreiten, hat eher so was von dem Soundtrack zu einem Film aus den 60ern, den man in seiner Kindheit oft gesehen hat (mir fällt leider kein englischer Film ein, auf den das zutreffen könnte. Wenn jemand eine Idee hat, immer her damit). Die Songs haben so einen nostalgischen Touch und wirken wie Fundstücke einer längst vergangenen Ära, die noch den Glanz dieser Zeit verbreiten können – auch wenn er unwiederbringlich verloren ist. Ganz großes Kino (um bei der Soundtrack Assoziation zu bleiben).

Also, durchwühlt Eure IPods, staubt den CD-Player ab, geht zu Hagen Eitjunsstor und ladet das gute Stück runter, mir völlig egal, aber diese Platte verdient es, in Erinnerung zu bleiben.

Pulp-class