A spring in books. Oder: Vermessungen des 20. Jahrhunderts

Nachdem a) eine meiner Büchersendungen in der Post verschollen ist und mir daher eines der Frühlungsbücher abhanden gekommen ist und b) einige andere Dinge gemacht werden wollten, bin ich in den letzten Monaten nicht zum bloggen gekommen. Daher werde ich die Frühlings-Bücher meines kleinen Lese-Projekts in einem Rutsch verhandeln.

Es handelt sich dabei um:

  • Stephen King – Hearts in Atlantis (als Ersatz für den verschollenen Drachenreiter)
  • F. Scott Fitzgerald – The Great Gatsby
  • Chris Offutt – The same river twice
  • C.S. Lewis – The lion, the witch and the wardrobe

Auf den ersten Blick fand ich das eine ziemlich wüste Mischung. Auf den zweiten Blick dachte ich mir, dass die Bücher eine ziemlich guten Querschnitt des 20. Jahrhunderts abbilden. Wenn man sie In chronologischer Reihenfolge betrachtet, dann sieht das aus wie folgt:

The Great Gatsby

Einer der Romane, der oft mit den „Roaring Twenties“ in Verbindung gebracht wird. Deutlich wird in dem Buch für mich die Erleichterung, den ersten Weltkrieg hinter sich gelassen zu haben (auch wenn das aus heutiger Perspektive eher wie ein kurzes Atemholen vor dem zweiten Weltkrieg wirkt). Diese – z. T. auch überschwängliche – Freude wird in Gatsbys Feiern für mich sehr deutlich (Abschweifung: das verbindet dieses Buch auf eine merkwürdige Art und Weise mit „On the Road“ von Jack Kerouac. Die beiden Bücher könnten unterschiedlicher fast nicht sein, aber in beiden ist zwischen den Zeilen die Erleichterung zu spüren, diese Kriege überlebt zu haben… Ende der Abschweifung). Ansonsten muss ich leider sagen, dass mir die Brillianz dieses Romans etwas verschlossen blieb. Ich fand das Buch gut, aber es gibt Leute, die es für einen der besten Romane überhaupt halten. Und das find ich dann doch ein bisschen übertrieben.

The lion, the witch and the wardrobe

Das 20. Jahrhundert ist in den Narnia-Romanen zwar nur marginal vorhanden, streng genommen aber Auslöser der Geschichte. „The lion, the witch and the wardrobe“ spielt im (Erden-)Jahr 1940 und der Grund, aus dem die Kinder aufs Lamd geschickt werden, sind die Angriffe der deutschen Luftwaffe auf Großbritanien. Das verankert den gesamten Zyklus eindeutig in den 40er Jahren.

Ich hatte großen Spaß mit dem Buch. Es ist das erste Mal, dass ich es gelesen habe, seit ich angefangen habe, intensiver über Bücher und/oder Mythen nachzudenken. Mir kam es fast vor, als ob Tolkien und Lewis sich hingesetzt hätten, gemeisam ihre 40 Lieblings-Mytheme aufgeschrieben hätten und dann getrennt voneinander daraus eine Geschichte gemacht hätten. Was natürlich so nicht hinkommt (aber vielleicht gar nicht so weit von der Wahrheit weg ist, wie man auf vemuten würde). Jedenfalls fand ich es faszinierend zu sehen, wie viele Elemente/Tropes/Mytheme hier angerissen werden, die auch im Herrn der Ringe eine Rolle spielen. Und weil ich so viel Spaß mit dem Buch hatte, hab ich dann „Prince Caspian“ gleich noch hinterhergelesen (Sammelausgabe sei Dank).

Hearts in Atlantis I

Stephen Kings „Hearts in Atlantis“ ist eine Sammlung grob miteinander verwobener Kurz-Geschichten und Novellen, die ziemlich gut die zweite Hälfte des Jahrhunderts abdecken. „Low Men in Yellow Coats“ spielt 1960 in einem Amerika, das sich fast noch im Dornröschenschlaf befindet, bevor es im kommenden Jahrzehnt richtig durchgeschüttelt wird. „Hearts in Atlantis“ beschreibt dann im Jahr 1966 die ersten Ausläufer der kommenden Veränderungen. Beides spiegelt sich deutlich in den Biographien der jeweiligen Hauptfiguren. Ich war SEHR angetan von diesem Buch. King verzichtet über weite Strecken auf phantastische Elemente (außer in „Low Men in Yellow Coats“, die sich deutlich in den Dark Tower einreiht), was den Geschichten aber gar keinen Abbruch tut, sondern viel mehr die Figuren und ihre Beziehungen zueinander in den Mittelpunkt stellt.

The same river twice

Ein autobiographisches Buch von Chris Offutt, das zu großen Teilen im Amerika der späten 70er/frühen 80er Jahre spielt und das eher in Subkulturen/jenseits des Mainstreams (in Imbissen, Zirkussen, Sümpfen oder auch der hintersten Ecke von Indiana…). In dem Buch passiert nichts außergewöhnliches – wie das bei Memoiren eben oft so ist – aber Chris Offutts großartige und glasklare Sprache macht es wirklich lesenswert („Read sometimes for the words“ und so…). Falls jemand von Euch „Winter Journal“ gelesen hat und mochte, kann er/sie das wahrscheinlich getrost in die Hand nehmen…

Hearts in Atlantis II

„Blind Willie“, „Why We’re in Vietnam“ und „Heavenly Shades of Night are Falling“ spielen zwischen 1983 und 1999. Insbesondere die ersten beiden befassen sich mit den Nachwirkungen des Vietnam-Kriegs, die letzte Geschichte dient vor allem als eine Art Coda für das Buch und irgendwie auch für das 20 Jahrhundert. 1999 ist noch nicht soooo lange her (und fühlt sich näher an als die Welt, von der in „Low men in yellow coats“ oder auch in „The same river twice“ erzählt wird). Dennoch fiel mir beim Lesen deutlich auf, dass die Geschichte vor dem 11. September 2001 spielt, der zumindest für mich einen deulichen Schnitt zwischen 20. und 21. Jahrhundert gesetzt hat.

Und nun?

Auch wenn ich zugeben muss, dass der Jahreszeitenbezug bei der Geschichte zunehmend in den Hintergrund rückt: Ich hab weiter Spaß an dem, was ich da tue und hoffe, ich halte auch die zweite Jahreshälfte gut durch! Next stop: Truman Capote – Summer Crossings (hab ja noch nie was von Capote gelesen – ähnlich wie auch bei Fitzgerald. Ich bin gespannt…).

 

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