Paul Auster legt gut los… (A year in books – Winter Journal)

„You think it will never happen to you, that it cannot happen to you, that you are the only person in the world to whom none of these things will ever happen, and then, one by one, they all begin to happen to you, in the same way they happen to everyone else.“

Mit diesem Satz beginnt „Winter Journal“ von Paul Auster. Wie manche von Euch vielleicht wissen, faszinieren mich die ersten Sätze von Büchern nachhaltig. Sie sind eine Art Versprechen der/des Autorin/Autors, sozusagen die Spitze des Eisbergs und wenn sie gut sind, dann lassen sie irgend etwas, einen kleinen Teil der Geschichte, ganz kurz aufblitzen und sorgen so dafür, dass ich direkt weiterlesen will. Wenn sie richtig gut sind, verliebe ich mich auf der Stelle und Hals über Kopf in das Buch, das vor mir liegt. Und ich finde, „Winter Journal“ hat genau eine solche Sorte ersten Satz.

Er steht am Anfang einer Art Autobiographie (Memoiren wäre als Gattungsbegriff wahrscheinlich treffender), in der Paul Auster aus verschiedenen Lebensphasen erzählt. Auslöser ist sein – zum Beginn des Buches – kurz bevorstehender 64. Geburtstag. Das Buch folgt aber keiner chronologischen Reihenfolge, vielmehr nutzt Auster die Struktur von Erinnerungen, um seinen Text voran zu bringen. Den „roten Faden“ bietet dabei sein eigener Körper: Die (inneren und äußeren) Narben, die dieser davon getragen hat; die Krankheiten, die ihn niedergestreckt haben; die Gebäude, die ihn über die Jahre behaust haben. Diese Struktur führt dazu, dass es Erinnerungen gibt, die mehrfach (in unterschiedlichem Detailgrad oder mit anderem Fokus) auftauchen. Das macht beim Lesen aber überhaupt nichts aus, es führt eher zu dem Eindruck einer sich langsam vor den Augen des Lesers/der Leserin entfaltenden Geschichte. Mich hat seit längerem kein Buch mehr so gefesselt und fasziniert. Dringende Leseempfehlung!

Und um noch mal kurz auf die ersten Sätze zurück zu kommen: Einer meiner absoluten Favoriten ist von Stephen King: „The man in black fled across the desert and the gunslinger followed“ (The Gunslinger/Dark Tower 1). Damit führt King a) das Setting des Buches, b) zwei wesentliche Figuren und c) deren Beziehung zueinander ein. In 12 Worten! Was sind denn Eure Lieblingsanfänge?

Weil ich noch ein bisschen Zeit habe, bis der März kommt, geht es jetzt erstemal weiter mit dem dritten Teil von 1Q84

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4 Gedanken zu “Paul Auster legt gut los… (A year in books – Winter Journal)

  1. Der Anfangssatz, den ich am häufigsten gelesen habe, ist der hier: “Es war spät abends, als K. ankam.”

    „Das Schloss“ von Kafka fand ich ein schwieriges Buch, das ich wirklich oft abgebrochen habe, aber immer lesen wollte.Während K bei seinen Bemühungen, in das Schloss zu gelangen scheitert (und nach Kafkas eigentlicher Konzeption wohl an körperlicher und seelischer Erschöpfung sterben sollte), habe ich das Buch dann noch fertig bekommen.

  2. Pingback: A Winter in books… | Dialektik der Aufklärung täglich

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