Madame Xanadu: Disenchanted (Comic-Besprechung)

„Madame Xanadu: Disenchanted“ ist 2009 bei DC/Vertigo erschienen – geschrieben von Matt Wagner, die Zeichnungen sind von Amy Reeder (Hadley). Wie bei Vertigo üblich, haben wir es hier weniger mit einer Superhelden-Geschichte und eher mit einer mystisch-magischen Figur zu tun – Madame Xanadu ist hauptsächlich als Wahrsagerin tätig (Warnung: Die folgende Besprechung enthält leichte Spoiler).

Der Comic bedient sich dennoch eines klassischen Musters von Superhelden-Geschichten: Er erzählt die Origin-Story der Hauptfigur. Das ganze spielt in einer Zeitspanne von gut 1000 Jahren, hier ist also einiges zu erzählen. Wagner löst dieses Problem, indem er fünf einzelne Geschichten erzählt, die jeweils in einer Epoche spielen und auf historische oder fiktive Ereignisse Bezug nehmen: die Artus-Sage, Marco Polos Reise nach Xanadu (get it?), die französische Revolution, Jack the Ripper und das anbrechende Zeitalter der Superhelden in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts. Verbindende Figur neben Madame Xanadu ist der Phantom Stranger, der in jedem Kapitel eine tragende Rolle spielt.

Zu den positiven Aspekten: Als allererstes sind die Zeichnungen von Amy Reeder Hadley zu nennen (wobei die m.E. immer phantastisch sind). Sowohl was die Komposition als auch die Dynamik und – ich nenn das mal so – Vitalität der Bilder angeht, ist das, was sie da abliefert, außergewöhnlich. Vor allem die weiblichen Figuren sind eine echte Freude und heben sich wohltuend von den „Tits n Ass„-Stereotypen ab, die immer noch in zu vielen Superheldencomics zu finden sind.

Das Storytelling hat durchaus auch seinen Reiz und die Idee, den Charakter in verschiedene Ereignisse einzuweben, hat Charme: So war Madame Xanadu ursprünglich Nimue (Anmerkung: Scheinbar stammt das aus den Books of Magic. Das hab ich da aber noch nicht finden können. Falls mir da jemand aushelfen kann – gerne in den Kommentaren!) und der Comic verweist auf andere Figuren aus dem DC/Vertigo-Universum (u.a. Green Lantern, Zatara, Spectre).

Allerdings ist diese Form des Erzählens m.E. an anderer Stelle besser umgesetzt. Aber vor allem hatte ich nicht das Gefühl, es mit einer kohärenten Geschichte zu tun zu haben. Disenchanted fühlt sich eher an wie fünf – mal bessere (Artus, Marco Polo), mal schlechtere (Jack the Ripper) – Kurz-Geschichten, die nicht wirklich zusammenhängen. Das Ganze soll ja aber auf einen Punkt zusteueren (remember: Origin-Story!). Zudem fand ich insbesondere die Begründungen des Phantom Strangers, warum gerade hier etwas relevantes passiert, z.T. etwas gezwungen. Das könnte aber damit zusammenhängen, dass ich mich mit den Vertigo-Charaktären nicht gut genug auskenne und mir hier Sachen durchrutschen, die für andere Leser_innen durchaus von Interesse sind.

Uneingeschränkt empfehlen kann ich den Comic zwar nicht, aber man bekommt einige gute Geschichten und allein die Zeichnungen sind das Geld schon fast wert!

(keine Amazon-Links, das kriegt Ihr auch ohne mich hin. Oder Ihr geht zu Eurem lokalen Comic-Händler).

P.S. On the Road? – Don´t ask…

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